Warum keine Eier?

 

Eier gelten als "Grundlebensmittel" - und das obwohl doch nur am Sonntag ein Frühstücksei gegessen wird. Und das sowieso nur aus Freilandhaltung. Oder?

 

Oft ist uns gar nicht bewusst, dass wir ständig Eier essen, in fast allen Fertigprodukten, Kuchen, Keksen, Süßigkeiten, Bäckereien usw. sind Eier enthalten - und die stammen größtenteils aus Käfighaltung. Dass diese keinesfalls tiergerecht sein kann, ist mittlerweile fast allen klar, doch warum verzichten manche Menschen auch auf das Ei aus der Freilandhaltung?


Weil auch diesen Tieren niemals ein natürlicher Tod gewährt wird, sie genauso eingesperrt sind und auf jede Legehenne - egal ob Käfig- oder Freilandhaltung - ein getöteter Hahn kommt.

 

Sie wollen die Hintergründe wissen? Lesen Sie den unten folgenden aufschlussreichen Artikel über die moderne Eierindustrie und informieren Sie sich HIER über pflanzliche Alternativen zu Eiern beim Kochen und Backen!

 

 

Was ist faul an Eiern?

„Warum du kein Fleisch isst, kann ich ja noch verstehen. Aber keine Eier? Dafür sterben ja keine Tiere!“ Die meisten Veganer_innen kennen diese Aussage aus eigener Erfahrung, gehört hat Sie wohl jede_r schon mindestens einmal. Die wenigsten Menschen wissen, dass auch für die Produktion von Bioeiern kleine Hähne am ersten Tag ihres Lebens sterben müssen, dass in der Eierindustrie die Bedürfnisse der Tiere dem Profitstreben untergeordnet sind und dass selbst die Freilandhaltung nicht artgerecht ist.
 

Eier gelten weitgehend als gesund und für eine ausgewogene Ernährung unentbehrlich. Die Eierindustrie ist damit beschäftigt, die dieses Jahr in Österreich endgültig verbotene Käfighaltung wieder zu rehabilitieren und stellt teilweise auch die Haltungssysteme auf Bodenhaltung um. Immer mehr Konsument_innen kaufen mit gutem Gewissen Freiland- oder Bioeier.

Dabei vergessen wird eines der größten Dramen, die sich in eierproduzierenden Ländern abspielen: Jährlich werden alleine in Österreich fast 5.000.000 männliche Legeküken am ersten Tag ihres Lebens umgebracht, weil sie keine Eier legen können.   

Die EierindustrieKüken kurz nach dem Schlüpfen, Sexen


Um den Ertrag zu maximieren, werden sowohl in der Geflügelmast als auch in der Eierproduktion nur speziell dafür gezüchtete Hochleistungsrassen eingesetzt. Masthühner sind auf maximalen Fleischansatz getrimmt und wachsen in nur 36 Tagen rapide: Während eines Mastintervalls wachsen die Tiere auf ein Zweieinhalbfaches des natürlichen Körpergewichtes an. Legehühner sind kleiner und darauf gezüchtet, möglichst viele Eier zu legen (ca. 250 statt der natürlichen sechs im Jahr).

Körperbau und Eigenschaften sind alleine an den wirtschaftlichen Erfordernissen orientiert. Im Jahr 2008 wurden in Österreich exakt 9.560.767 Küken produziert – die Hälfte davon, also 4.821.195, sind männlich. Sie erleiden ein besonders tragisches Schicksal: Weil sie keine Eier legen können und für die Fleischproduktion zu wenig Gewicht ansetzen, werden sie am ersten Tag ihres Lebens kurz nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Sie werden zermust, vergast oder zerhäckselt, weil es unprofitabel ist, sie leben zu lassen.


Die restlichen „Gebrauchshühner“ kommen dann in sogenannte Aufzuchten. Dort verbringen sie im Durchschnitt fünf Monate bis sie Eier legen können, und werden danach 12 bis 14 Monate in Bio-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung zur Eierproduktion verwendet. Dabei werden die Knochen spröde, weil dem Körper Kalzium für die Eiererzeugung entzogen wird. Krankheiten und Verhaltensstörungen breiten sich aufgrund der qualvollen Lebensbedingungen aus, manche Hühner sterben schon früher. Die „Glücklichen“, die es bis dahin überlebt haben, werden, sobald ihre Legeleistung abnimmt, in den Schlachthof geliefert. Kein_e Landwirt_in kann es sich finanziell leisten, den Tieren ein Gnadenbrot zu ermöglichen.


Freilandeier als Alternative?

Legehühner in BodenhaltungMitte 2008 waren in Österreich 29% aller verkauften Schaleneier aus Käfighaltung. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren stark gesunken (Anfang 2006 waren es noch 47%). Am 01.01.2009 trat endlich das Verbot für Käfighaltung (Legebatterien) in Kraft. Nur noch wenige Tierfabriksbesitzer_ innen, wie der ÖVP-Bürgermeister Karl Latschenberger, bestehen darauf, weiterhin illegal die Käfighaltung beizubehalten. Der Anteil von Käfigeiern an in Drittprodukten verarbeiteten Eiern ist allerdings weitaus größer, beinahe 75%. Gerade in Produkten wie Nudeln, Fertiggerichten oder Backwaren werden noch immer massenhaft importierte Käfigeier verwendet.

Legehühner in Freilandhaltung - die fünf glücklichen Hühner im Grünen sind auch hier ein MythosDoch sind andere Haltungsformen eine Alternative? Eines der Hauptprobleme bei Freiland- und sogar Bioeiern ist, dass auch Freiland- und Bio-Landwirt_innen ihre Hühner (immer die gleichen Rassen) von Brütereien kaufen. Auch Freiland- und Biobetriebe verwenden nur Hennen zur Eierproduktion und sind somit untrennbar mit dem Tod der kleinen Hähne verknüpft. Wer denkt beim Stichwort „Bio“ nicht an den kleinen, idyllischen Hof mit den 15 Hühnern, der einer Eierwerbung entspringen könnte? Auch auf einem solchen Hof gibt es maximal zwei Hähne. Nun wird die traurige Antwort auf die Frage, wo die restlichen Hähne eigentlich abgeblieben sind, schnell bewusst. Auch Freiland- und Biohühner entstammen Qualzüchtungen.

Im landwirtschaftlichen Wettbewerb ist es nicht möglich, eine eigene Zucht aufzubauen und Hühner zu verwenden, die weniger Eier legen als die der Konkurrenz. Die Tiere sind nach kurzer Zeit so ausgelaugt, dass sie zum Schlachthof gebracht und dort getötet werden; eigentlich könnte ein Huhn bis zu 20 Jahre alt werden, Hühner alter Rassen sogar an die 50. Absurderweise verwenden Vertreter_innen der Eierindustrie selbst das Argument, dass Käfighaltung besser für Hühner sei als Freilandhaltung. Teilweise ist bei der Freilandhaltung die Ausfallquote (Sterberate der Tiere) höher als bei anderen Haltungsformen. Gründe sind andere Hygienebedingungen, mehr Bewegungsfreiheit und somit erhöhtes Verletzungsrisiko und mehr Kämpfe. Freilandhaltungen dürfen bis zu 3.000 Tiere große Herden halten, die natürliche Gruppengröße bei Hühnern ist maximal 50 Artgenoss_innen. Kein Wunder, dass solche Zustände die Tiere überfordern.

Recht des Huhns


Zu guter Letzt stellt sich noch die Frage, ob wir Menschen überhaupt das Recht haben, Tiere für unsere Zwecke zu nutzen. Immer größere Teile der Wissenschaft kommen zu dem Schluss, dass Tiere nicht allein aufgrund ihrer Spezieszugehörigkeit anders behandelt werden sollten, wenn sie sonst ähnliche Merkmale aufweisen. Hühner können Schmerz und Liebe empfinden, Angst haben, Sozialkontakte pflegen und kommunizieren. Warum sollten dann nicht gewisse moralische Regeln im Umgang mit ihnen gelten?

Veganismus

Wenn Hühner wählen könnten, wie wir Menschen uns ernähren sollten, würden sie eine vegane Ernährung bevorzugen. Nur eine vegane Ernährung garantiert, dass Tiere nicht ein kurzes Leben voller Qualen bis zu einem verfrühten Tod verbringen müssen und gewährleistet gleichzeitig, dass kein kleiner Hahn sterben muss. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine rein pflanzliche Ernährung, weil sie die Eierindustrie nicht mehr unterstützen wollen und die landwirtschaftliche Praxis als nicht gerechtfertigt empfinden.

Gesundheitsaspekte von Eiern

Organisationen wie die AMA (Agrarmarkt Austria) wollen den Konsument_innen besonders die gesundheitlichen Vorzüge von Eiern vor Augen führen. Natürlich enthalten Eier vom Menschen benötigte Nährstoffe, allerdings nichts was nicht auch über eine vegane Ernährung erhältlich wäre.

Ein Problem bei Eiern ist jedoch, dass sie statistisch signifikant häufig für Lebensmittelvergiftungen verantwortlich sind. Außerdem können sie Allergien hervorrufen und beinhalten mehr als die Menge des empfohlenen Tagesbedarfs an Cholesterin.

Die weltweit größte Ernährungsorganisation ADA (American Dietetic Association) meint: „Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet, inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Pubertät.“

Alternativen in der Praxis

Inzwischen gibt es eine Reihe von Ei-Ersatzprodukten für alle Einsatzgebiete des industriellen und privaten Zwecks. Die Initiative Future Food, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Tierprodukte durch qualitative Ersatzprodukte aus der Wirtschaft zu verdrängen, listet eine Reihe von Top-Produkten auf, die statt Ei verwendet werden können. Es ist aber gar nicht immer notwendig, spezielle Präparate zu kaufen. Es gibt verschiedene Kniffe und Tricks, Eier in Rezepten zu ersetzen. Oft ist es ausreichend, sie einfach wegzulassen.

 

 

Ei-Alternativen

beim Backen:

• No-Egg Egg Replacer (www.veganversand-lebensweise.at)

• Ener-G Egg Replacer (www.veganessentials.com)

• 1 EL Mehl + 1 Halbe Pkg. Backpulver + 2 EL Wasser

• 1 EL Sojamehl + 1 – 2 EL Wasser

• 50 Gramm Tofu

• 1 halbe Banane

 

weitere Alternativen zu Eiern in diversen Gerichten

 

 

Dieser Bericht über Eier wurde entnommen aus: Vegan.at Magazin Nr. 12 S. 14 -15

Die Fotos wurden entnommen von www.soylent-network.com (Haltungsformen) und die Fotos aus der Dokumentation "Auf der Suche nach dem glücklichen Huhn" (Küken)

 

 


wichtige Links zum Thema Eier: