Was haben Menschenrechte mit Tierproduktkonsum zu tun?

 

... für die meisten Menschen nicht viel, vielleicht gerade mal so viel, dass sie es als Vorrecht des Menschen ansehen, Tierprodukte zu verzehren. Dass aber gerade die Tierproduktindustrie und der Verzehr von Tierprodukten die Menschenrechte mit Füßen treten, scheint abwegig.

 

Doch: Für ein Kilo Fleisch werden 10 bis 16 kg Getreide benötigt. Wenn also in einem Teil der Welt Menschen durch Getreideknappheit verhungern und auf dem anderen den "Nutz"tieren unglaubliche Mengen an Getreide verfüttert werden (um später als Fleisch von den Reichen verzehrt zu werden) ist das ein Skandal.

 

Informieren Sie sich über die Zusammenhänge in diesem interessanten Artikel:

 


Fleisch macht Hunger 

Grafik: zur Produktion von tierischen Nahrungsmitteln wird 10 Mal so viel Getreide benötigt wie für planzliche.
Während wir in den Industrieländern mit den Folgen eines zu hohen Tierproduktkonsums wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes kämpfen, verhungern immer mehr Menschen, weil sie sich keine Nahrungsmittel mehr leisten können. Der hohe Fleischverzehr spielt dabei auch eine Rolle: Um eine tierliche Kalorie zu erzeugen, werden ca.  10 pflanzliche benötigt. Die Fachwelt spricht beschönigend von „Veredelungsverlusten“. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Verschwendung von wertvollen Lebensmitteln, die über den Umweg des Marktmechanismus viele Menschen in den Hungertod treibt.

Seit drei Jahren steigen die Nahrungsmittelpreise explosionsartig an. Grundnahrungsmittel wurden um 180% teurer. Allein von März 2007 bis März 2008 erhöhten sich die Preise für Reis und Weizen laut UN-Agrarorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation) um das Doppelte. Die Folgen für die Ärmsten auf der Welt sind fatal: Viele Menschen können sich nicht mehr genug Nahrungsmittel leisten, die Zahl der Hungernden wird derzeit auf eine Milliarde geschätzt. 


Was steckt dahinter? 

Die Ursachen sind komplex. Wesentlichen Einfluss auf den strukturellen Hunger haben Organisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, die Welthandelsorganisation und auch die Europäische Union, deren Agrarpolitik dazu führt, dass Nahrungsmittelimporte von stark subventioniert hergestellten Produkten aus dem Norden die Lebensmittelmärkte im Süden ruinieren. Speziell für die Preissteigerung der letzten Jahre lassen sich verschiedene Gründe ausfindig machen. Neben den verstärkt auftretenden Dürreperioden, Fluten und Schädlingsepisoden spielt auch die kontinuierliche Zunahme der Weltbevölkerung (um jährlich 75 Millionen) eine Rolle. Hinzu kommt der starke Anstieg des Ölpreises. Da Öl für die Herstellung von Düngemitteln sowie den Transport benötigt wird, erhöhen sich in weiterer Folge auch die Kosten für die Lebensmittelproduktion. Spekulant_innen, die Grundnahrungsmittel horten und auf weiter steigende Preise setzen, tragen ebenfalls zur Verteuerung bei.

 

Zunehmender Wohlstand

Einen wesentlichen Einfluss auf die Krise hat nach Ansicht von Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, der gigantisch wachsende Bedarf Chinas, Indiens und anderer Schwellenländer. Ihr zunehmender Reichtum führt zu einem deutlich höheren Fleisch- und Milchkonsum. Immer mehr Äcker werden so zu Tierweiden. Deren Ertrag ist aber wesentlich geringer: Um 1 kg Fleisch herzustellen, werden – abhängig von der Tierart - 6 bis 16 kg Getreide benötigt!

 

Getreide: Tierfutter, Treibstoff oder Lebensmittel?

Im reichen Europa wird sogar der größte Teil der Getreideernte, nämlich über 60%, als Tierfutter verwendet. Aber einen vieldiskutierten “Nahrungskonkurrenten“ für den Menschen gibt es noch: Biotreibstoff aus Getreide. Für die Produktion von 50 Litern Bioethanol werden 232 kg Mais benötigt. Davon kann ein Kind in Sambia oder Mexiko ein Jahr lang leben. Im Vergleich zur Verschwendung wertvoller Lebensmittel für tierliche Produkte ist die Erzeugung von Biotreibstoff aber geradezu unerheblich: Nur 2% der europäischen Getreideernte werden zu Bioethanol verarbeitet (vergleiche oben: Tierfutter 60%)!

 

Abhängig vom Futtermittelanbau

Der stetig steigende Fleischkonsum führt also dazu, dass der Marktpreis von  lebensnotwendigen Grundnahrungsmitteln steigt. Darüber hinaus werden Landwirt_innen in Nicht-Industrieländern in eine Abhängigkeit getrieben: Weil es kurzfristig rentabler scheint, wird die Subsistenzlandwirtschaft aufgegeben, um Soja oder andere Futtermittel für die EU anzubauen. Immerhin werden allein in Österreich jährlich 600.000 Tonnen Sojaextraktionsschrot in der konventionellen Tierfütterung eingesetzt  (zum Vergleich: Der Verbrauch für die menschliche Nahrung beträgt nur 10.000 t Soja.) Grundnahrungsmittel müssen nur zur eigenen Versorgung nachgekauft werden. Diese werden aber immer teurer und sind daher für viele nicht mehr leistbar. Gleichzeitig verlieren die Menschen ihr zur Selbstversorgung notwendiges Wissen und damit ihre Lebensgrundlage. 

 

Keine Ausreden mehr

Anstatt also mit dem Finger auf die Schwellenländer zu zeigen und die Schuld dem zunehmenden Wohlstand sowie der Produktion von Biotreibstoffen in die Schuhe zu schieben, sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass der Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten kein Zeichen von Reichtum ist. Durch eine Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel stünde weltweit viel mehr Getreide zur Verfügung und weniger Menschen müssten hungern. Positiver Nebeneffekt: Auch die Hauptverantwortliche für den Ausstoß von Treibhausgasen, nämlich die Tierproduktion, wäre eliminiert. Das wiederum könnte ebenfalls Auswirkungen auf den Welthunger haben, da sich möglicherweise das Klima normalisieren könnte und auch Dürren und Fluten zurückgingen.


Verwendung von Getreide in Europa:

Nahrungsmittel 24,8%
Tierfutter 60,3%
Industrie 10,4%
davon Bioethanol 2%
Saaten 4,1%
Sonstiges 0,4%


„Warum ich Vegetarier geworden bin? … Über 500 000 werden dem Vieh der reichen Nationen verfüttert - während in den 122 Ländern der Dritten Welt (wo 3,8 der 5 Milliarden Menschen unseres Planeten wohnen) pro Tag nach UNO-Statistik 43000 Kinder am Hunger sterben. Diesen fürchterlichen Massenmord will ich nicht mehr mitmachen: kein Fleisch zu essen ist ein minimaler Anfang.“ Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung.  

 


entnommen aus: Vegan.at Magazin 11 S. 14 (genaue Quellenangaben zum Text unter: www.vegan.at/welthunger)

 

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